Die Alevitische Gemeinde erwirbt
in der Gewerbestraße 9 in
Schwenningen ein Gemeindehaus.
Mit 500 Quadratmetern
und zwei Stockwerken sei das
Haus als Gemeindezentrum angemessen
groß, heißt es in einer
Pressemitteilung.
Neue Räume an der Gewerbestraße 9 in Schwenningen / „Finanzielle Herausforderung“
Die Verhandlungen liefen seit Juni dieses Jahres. Nach den Renovierungen im Innenbereich, kann die Alevitische Gemeinde ihr bisheriges Vereinsheim in der Gutenbergstraße in Schwenningen aufgeben und in das neu erworbene Gebäude in der Gewerbestraße einziehen. Vor der Kaufentscheidung wurden
die Mitglieder in einer Versammlung über alle Einzelheiten informiert.
Eine überwältigende Mehrheit habe dem Kauf des neuen Gemeindehauses
zugestimmt, so die Pressemitteilung weiter.
Elif Cangür, die Vereinsvorsitzende, sagte in ihrer Rede: „Wer seine
Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft. Die Integration ist uns so gut
wie gelungen. Um integriert zu sein, müssen wir aber auch unsere Wurzeln
kennen. Um unsere Kultur zu vermitteln, brauchen wir eigene Räume. Da die Räume in der Gutenbergstraße schon lange zu eng geworden waren, brauchten wir größere Räumlichkeiten. Für einen Glauben wie das Alevitentum, das jahrzehntelang unterdrückt worden ist, ist es bedeutsam, ein eigenes Gemeindezentrum gefunden zu haben.“
Die Alevitische Gemeinde Villingen-Schwenningen will gute Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit schaffen und tatkräftig dabei helfen. Die Arbeit ziele außerdem auf Themen ab wie beispielsweise Integrationspolitik, berufliche Perspektiven, Ausländerfeindlichkeit, Menschenrechte, Religionsunterricht an der Gartenschule, Umweltschutz und Aufklärung in den Bereichen von Kriminalität und Drogen.
Haydar Dogan, Pressesprecher der Alevitischen Gemeinde, erklärt: „Ein
Cem Evi (aus dem türkischen Lehrwort Cem = Versammlung und türkisch Ev = Haus) ist ein alevitisches Versammlungs- und Gotteshaus. Es ist nämlich kein Gemeindehaus, das ausschließlich dazu dient, einen Cem (ritueller Tanz) abzuhalten. Hier trifft sich die Gemeinde oder die Gemeindevertretung, um interne Streitigkeiten oder Familienprobleme zu besprechen. Natürlich wird auch die alevitische Kultur, Tradition und Lehre vermittelt. Mit der Verbreitung
des Alevitentums in Deutschland entwickelte sich die gebräuchliche deutschsprachige Bezeichnung Cem Haus.“
Der stellvertretende Vorsitzende Aydin Kaybaki bedankte sich bei allen,
die ihre Hilfe angeboten haben.„In der Türkei wäre es uns nicht möglich
gewesen, ein Gemeindehaus zu erwerben. Es ist nicht nur ein Glaubenszentrum, sondern auch ein Kulturzentrum, in dem wir kulturelle Aktivitäten verwirklichen wollen.“ Kassierer Hüseyin Durmaz erläuterte,
der Kauf sei über ein Darlehen einer heimischen Bank finanziert worden. Die Gemeinde sei überzeugt, dass alle Mitglieder die Renovierung und den Innenausbau schultern könne. „Dies ist eine finanzielle Herausforderung.
Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis die Arbeiten abgeschlossen sind“.
Ein Spendenkonto bei der Volksbank Donau-Neckar ist eingerichtet (Kontonummer 2 32 32 80 13, Bankleitzahl 643 901 30, Verwendungszweck
Stichwort „Cem-Haus“).